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ABWÄRTS

Kristina Stanley

THRILLER

Band 1
Serie: Stone Mountain

»Eine lebendige, nervenaufreibende Geschichte voller Geheimnisse, Eifersucht und Verrat …« [Barbara Fradkin – preisgekrönte Autorin der Inspector Green Mysteries]

4,99  2,49  inkl. MwSt.

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Beschreibung


Kaum dass Kalin Thompson zur Sicherheitschefin des Stone Mountain Resorts befördert wird, bekommt sie es auch schon mit ihrem ersten Mordfall zu tun: ein vielversprechender Nachwuchs-Abfahrtsläufer mit Olympia-Ambitionen wird tot aufgefunden.
Eigentlich ein Fall für die Polizei, doch Kalins Chef will, dass sie ihre eigenen Untersuchungen anstellt.
Trotz der Abgeschiedenheit des Stone Mountain Resorts scheint es mehr Verdächtige mit einem Motiv zu geben als Tore beim Riesenslalom, und ihre Nachforschungen stoßen nicht überall auf Begeisterung. Offenbar scheint jemand ein ganz besonderes Interesse daran zu haben, dass die Identität des Mörders nicht gelüftet wird …

Zusätzliche Information

ersterscheinung

2017

format

mobi), Klappenbroschur (in Vorbereitung) / Ebook (epub

seiten

ca. 400

eisbn

978-3-95835-235-3

Leseprobe


Kapitel 1

 

Erster Tag – 28. November

 

Der Tod fegte über den gefrorenen Schnee hinweg den Berg hinauf – ohne Vorwarnung oder bedrohliches Getöse, sondern nur mit ausgestreckten Fangarmen auf der Suche nach einem Opfer, während im Ferienressort Stone Mountain, wo gerade hektischer Betrieb herrschte, niemand etwas von der drohenden Gefahr ahnte.
Kalin Thompson startete den Motor ihres Schneemobils, lenkte seine Kufen über einen Hügel und raste dann auf den Gipfel der Strecke Alpine Tracks zu. Das Skiteam Holden kam direkt aus der Gegend und bestimmte deshalb den Wettkampf in den nächsten zwanzig Minuten, und Kalin plante hinterher, die Tore abzufahren, nur einmal und einfach nur für den kurzen Adrenalinschub zwischendurch.
Als sie eine vereiste Stelle erwischte, rutschte sie auf den Turm der Sesselbahn zu. Sie packte die Griffstange daraufhin fester und verlagerte ihr Gewicht nach links, um ihm auszuweichen, wobei ihre Skihose die Metallseite streifte. Falls sie ihre Ausrüstung nach nur fünf Tagen als Leiterin des Sicherheitsdienstes des Ressorts beschädigen sollte, würde sich ihr Vorgesetzter garantiert seinen Teil denken. Aber sie gewann die Kontrolle wieder und fuhr nun weiter auf die Kuppe zu. Schließlich kam sie schlitternd neben Ben Timlin zum Halten und johlte laut vor freudiger Erregung nach diesem Ritt.
Er fragte sie mit einem Zwinkern, das selbst kälteste Herzen zum Schmelzen gebracht hätte: »Du genießt das hier so richtig, oder?«
Kalin schaute sich um, denn sie wollte nicht, dass jemand zufällig in ihre Richtung schaute und das Folgende sah. Dann beugte sie sich über die Lenkstange und küsste Ben, wobei ihre Schutzhelme gegeneinanderstießen. »Jetzt ja.«
Am Startpunkt schob ein Super-G-Fahrer gerade seine Ski vor und zurück, indem er sich fest auf seine Stöcke stützte, eine aggressive Haltung kurz vor dem Abstoßen. Kalter Dampf trat aus seinem Mund, während er heftig Luft holte und darauf wartete, dass der Fahrer vor ihm endlich die Bahn freimachte.
Kalin löste den Haltegurt ihres Helms und schob sich den Schlauchschal unter das Kinn. »Wie läuft das Training?«
»Nicht so berauschend. Dass Coach Jenkinson es nicht abgeblasen hat, wundert mich wirklich.«
»Wieso?«
»Mehr als die Hälfte der Fahrer kam entweder von der Bahn ab oder ist gestürzt. Einer verstauchte sich sogar den Knöchel.«
»Wasserinjektion?«
»Genau, das ist ’ne regelrechte Eislaufbahn.«
Die Seilbahn von Stone Mountain, die hundertsechsundfünfzig Personen auf einmal befördern konnte, legte auf dem Weg vom Fuß der Strecke Alpine Tracks bis zum Gipfel fünf Meter pro Sekunde zurück. Am Landeplatz wendeten die Gondeln dann, nachdem die Fahrer und ihre Ausrüstung an einer Stelle wenige Meter von Ben und Kalin entfernt ausgestiegen waren. Sie zählte die letzten Mitglieder ihres Teams, die jetzt oben ankamen. Bevor sie selbst an die Reihe kam, mussten noch sechs Fahrer Läufe absolvieren.
Nur hauchdünne Skianzüge schützten die Sportler vor Wind und Wetter. Wenn Kalin blinzelte, verklebten ihre Wimpern sofort vor Kälte. Sie rieb sie zwischen Daumen und Zeigefinger, damit das Eis schmolz. Ob Ben wohl auch fror? Sie musste schmunzeln, weil sie sich Sorgen um ihren Freund machte. Seine Hightech-Jacke von der Skipatrouille, die mit einem Erste-Hilfe-Set und Sicherheitswerkzeug ausgestattet war, schützte ihn bestimmt wesentlich besser vor den Minustemperaturen.
Ben stieß nun gegen die Ski, die Kalin am Heck ihres Schneemobils festgezurrt hatte. »Du kannst heute nicht fahren.«
»Willst du mir vielleicht Angst machen?«
»Die anderen tun sich wirklich schwer. Es ist einfach zu gefährlich.«
Kalin ließ sich nicht unbedingt gern sagen, dass sie aufpassen sollte, aber sie erkannte an Bens Gesichtsausdruck, dass sie in diesem Fall wohl besser nachgeben sollte. Dennoch wollte sie versuchen, ihn umzustimmen, wenn nicht noch mehr Fahrer stürzten.
Als das Signal laut dröhnte, zog der Mann am Start seine Beine zurück, sein Kopf mit den Schultern schnellte nach vorn und er drückte sich über die Linie. Während er sich die gebogenen Stöcke dicht an die Seiten hielt, ging er leicht in die Knie und passierte das erste Tor. Gegen das zweite stieß er mit einem Ellbogen, wahrte aber trotzdem sein Gleichgewicht. Er beschleunigte jetzt und fuhr am dritten vorbei, wobei die Zeitanzeige belegte, dass er bereits neunzig Stundenkilometer erreicht hatte. Die Kanten seiner Ski gingen durch das Eis wie Butter und hielten.
Im Super-G, einer Kreuzung aus Riesenslalom und Abfahrt, waren mindestens fünfunddreißig Tore üblich, und die Teilnehmer durften anders als bei Abfahrtsrennen zuvor keinen Testlauf machen. Jeder bekam also nur eine Chance und ging dabei direkt bis an seine Grenzen.
Beim Umrunden des vierten Tores kantete der Fahrer stark ab, doch anstatt dass sich die Kraft auf den Schnee übertrug, löste sich einer seiner Schuhe von der Bindung. Der Mann flog bei vollem Tempo in die Luft. Er verschränkte zwar geistesgegenwärtig seine Arme vor dem Körper, allerdings nicht schnell genug, um die Wucht des Aufpralls verringern zu können, und schlug jetzt mit dem Kopf auf die festgefahrene, vereiste Streckenoberfläche.
Ohne seine Augen von dem Skifahrer abzuwenden, drehte Ben den Zündschlüssel seines Schneemobils und sprach zugleich in sein Funkgerät.
Der Fahrer rollte nun kraftlos mit schlackernden Gliedern wie eine Stoffpuppe den Berg hinunter. Als er durch das fünfte Tor krachte, blieb dessen Stange umgeknickt liegen. Das orange Sicherheitsnetz an den Rändern der Piste bewahrte ihn davor, in den Wald hineinzurutschen.
Ben fuhr sofort zu ihm, und Kalin folgte kurz darauf mit ihrem Mobil.
Nun brach ein regelrechter Aufruhr los. Aus allen Richtungen kamen Zeugen herbeigelaufen.
»Bleiben Sie zurück.« Ben drängte sich durch die Menge und ging in die Hocke. Der Gestürzte lag mit verrenktem Körper und nach oben gerichtetem Gesicht im Netz, sodass man seinen unnatürlich schräg liegenden Kopf sehen konnte.
Obwohl er seinen Gesichtsschutz noch trug, hätte Kalin seinen Atem in der Frostkälte sehen müssen.
Ben suchte ihren Blick. »Geh besser Reed rufen.«